© Bundesstadt Bonn, Foto: Kristina Buchmiller

Rheinauensee: Gewässerexperten erstellen Sanierungskonzept

Der Rheinauensee soll grundlegend saniert werden. Da der Zustand des Sees sich in den vergangenen Jahren verschlechtert hat und verschiedene kurzfristige Einzelmaßnahmen nicht zu einer längerfristigen Verbesserung führten, hat die Stadt Bonn ein externes Büro damit beauftragt, umfassende Untersuchungen als Grundlage für ein Sanierungskonzept zu erstellen. Bei einem Pressegespräch in der Rheinaue am Mittwoch, 20. März 2019, erläuterten die Gewässerexperten und die Stadt ihr Vorgehen.

Vor allem die sich immer wieder stark vermehrenden Algen und das Tiersterben im vergangenen Sommer machen aus Sicht der Stadt eine grundlegende Sanierung des 15 Hektar großen Sees unumgänglich. Um eine langfristig wirksame Lösung zu finden, müssen zunächst die Ursachen der Probleme grundlegend untersucht werden. Auf der Basis der über einen längeren Zeitraum ermittelten Daten werden die Fachleute des beauftragten Büros lanaplan aus Nettetal ein Sanierungskonzept erstellen.

Lanaplan-Geschäftsführer Dr. Klaus van de Weyer erläuterte, warum es aus Expertensicht keine Alternative zu einem solchen Vorgehen gibt: „Die Ursachen für die Probleme im Rheinauensee sind vielschichtig. Es ist davon auszugehen, dass viele verschiedene Faktoren zusammenwirken. Es gibt auch nicht die eine Ursache für die verendeten Tiere im vergangenen Sommer. Ohne ausreichende Kenntnis über die tatsächlichen Verhältnisse im See, ist es nicht seriös, Maßnahmen zur Sanierung vorzuschlagen.“

Dieter Fuchs, Leiter des Amtes für Stadtgrün, ergänzte: „Als öffentliche Verwaltung dürfen wir kein Geld für vermeintlich schnelle Lösungen auszugeben, die am Ende nicht oder nicht dauerhaft wirksam sind.“ Das heiße aber nicht, dass die Stadt untätig sei. „Sollten sich in der Phase der Datenerhebung Maßnahmen als notwendig oder sinnvoll erweisen, um etwa den See zu stabilisieren, können wir diese in Absprache mit den Experten auch kurzfristig umsetzen.“

Trotz allem sei nicht ausgeschlossen, dass auch in diesem Sommer – insbesondere wenn er vergleichbar heiß wird wie im vergangenen Jahr – wieder Tiere im Rheinauensee verendeten, so van de Weyer. „Eine Garantie, dass dies nicht passiert, kann niemand geben.“

Warum Wassertemperatur, Sauerstoff- und Phosphorgehalt wichtig sind

 

Von März bis September wollen die Fachleute Werte zu 16 verschiedenen Parametern ermitteln. Dazu zählen unter anderem auch Untersuchungen von Fischen und pflanzlichen Kleinlebewesen. Gemessen wird an fünf Terminen an unterschiedlichen Stellen des Sees, unter anderem im freien Wasser der einzelnen Seeteile, am Boden des Gewässers sowie an den Zu- und Abläufen. Beispielhaft erläuterten sie, warum Kenntnisse darüber für die Beurteilung der Verhältnisse im Rheinauensee wichtig sind.

Beispiel Sauerstoff: Geringe Sauerstoffgehalte im Wasser können zu Fischsterben führen und kommen somit als eine der Ursachen für das Geschehen im vergangenen Sommer in Frage. Außerdem können sie die Entwicklung von Toxin bildenden Clostridien begünstigen. Clostridien sind Bakterien, die den Giftstoff bilden können, der zu Botulismus führt. Botulismus konnte bei Analysen im vergangenen Jahr mit an Sicherheit grenzender  Wahrscheinlichkeit als Todesursache bei sechs Wasservögeln am Rheinauensee nachgewiesen werden. Schließlich kann zu wenig Sauerstoff im Wasser auch die Lösung von Phosphor aus dem Boden (Sediment) fördern.

Beispiel Phosphor: Ein hoher Phosphor-Gehalt hat vielfältige Auswirkungen auf ein Gewässer. So fördert er unter anderem das Wachstum von Wasserpflanzen und Algen inklusive Blaualgen. Blaualgen können ebenfalls zu Vergiftungserscheinungen bei Tieren führen.

Beispiel Temperatur: Eine hohe Wassertemperatur sorgt unter anderem auch dafür, dass Wasserpflanzen und Algen sich gut entwickeln können. Sie fördert außerdem ebenfalls die Rücklösung von Phosphor aus dem Boden.

Fütterungsverbot soll Bestand regulieren

Als Reaktion auf die Probleme im Sommer 2018 hat die Stadt auf der der Vogelinsel vorgelagerten Rasenfläche das Mähen eingestellt, um hier einen Vegetationsstreifen entlang des Ufers wachsen zu lassen. Damit sollen die Gänse, die kurzrasige Uferflächen mit freiem Seeblick auf die Wasserfläche bevorzugen, um sich schnell zurückziehen zu können, von dort vertrieben werden.

Denn die zum Wasser hin abfallende Wiese war sehr stark mit Exkrementen verunreinigt, die bei Starkregenfällen in den See gespült werden. Die Zersetzung dieser organischen Stoffe führt ebenfalls dazu, dass der Sauerstoffgehalt im See sinkt. Bis das Ufer gegenüber der Vogelinsel hoch genug bewachsen ist, um diese Funktion erfüllen zu können, soll dort ein hüfthoher “ Zaun“ als Barriere zum See errichtet werden.

Anfang März ist zudem ein Fütterungsverbot für Wasservögel im gesamten Stadtgebiet in Kraft getreten. Damit soll erreicht werden, dass sich die Zahl der Tiere wieder auf ein für den See verträgliches Maß einpendelt. Bereits im vergangenen Jahr hatte die Stadt Schilder am Rheinauensee aufgestellt, um die Bürgerinnen und Bürger über die negativen Folgen der Fütterung aufmerksam zu machen. Aufgrund des Fütterungsverbots können nun auch Bußgelder verhängt werden.

 

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