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Beitragsbild zum Artikel "Insektensterben: Das nicht mehr ganz so große Krabbeln" aus Hallo Bonn! 2go 1/2018

Insektensterben: Das nicht mehr ganz so große Krabbeln

Vielen gilt alles, was mehr als zwei Beine hat, schlichtweg als Ungeziefer. „Natürlich ist es verständlich, wenn man keine Schaben in der Küche, Ameisen im Badezimmer oder Mücken im Schlafzimmer haben will“, sagt Christian Chmela von der Biologischen Station / Bonn Rhein-Erft. Insekten sind aber für den Garten und in der Landwirtschaft unentbehrlich und auch Freizeitgärtner können Wichtiges zu ihrem Erhalt beitragen.

Erschienen in Hallo Bonn! 2go – Ausgabe 01 / 2018

„Sinnvolle Maßnahmen sind auf dem Balkon natürlich schon etwas schwieriger umzusetzen als im Garten“, so Chmela. Dennoch: „Ein bisschen was geht immer“, so der Biologe. Was Insekten brauchten sei ein heimisches Blütenangebot über das ganze Jahr. „Da fliegen die Hummeln, Wildbienen oder Schmetterlinge im wahrsten Sine des Wortes drauf“, erklärt er. Von der Wiesenflockenblume – einer rund 40 bis 60 Zentimeter großen Staude mit hübschen violetten Blüten – über Wiesensalbei und Moschusmalve eigne sich vieles auch für die Kultivierung auf Balkon oder Terrasse. Ideal wäre auch etwa ein halber Quadratmeter mit Ackerwildkräutern wie Klatschmohn oder Kornblume: „Das sieht toll aus, duftet gut, nutzt vielen Insekten und passt in einen etwas größeren handelsüblichen Pflanzkübel“, so Chmela.

„Einheimische Wildpflanzen und die hiesigen Insektenarten haben sich im Laufe der Evolution aneinander angepasst“, weiß auch Urike Aufderheide. Und weil sie daher heute zusammenpassten, wie ein Schlüssel in ein Schloss, kämen beide nicht mehr ohne einander aus, so die Diplom-Biologin. Wer also etwas gegen das Insektensterben tun wolle, könne das am besten tun, indem er Pflanzen wie die eingangs erwähnten aber auch die Schwarze Königskerze, gewöhnlichen Majoran, Zweigriffeligen Weißdorn oder Schöllkraut pflanze. Seit dem Jahr 2000 sind diese und viele weitere Pflanzen in einem naturnahen Schaugarten hinter dem Berkumer Rathaus zu finden und bieten
Hobbygärtnern eine Flut von Inspirationen. Die Idee dazu stammt von von der früheren Umweltbeauftragten der Gemeinde Wachtberg: Hannelore Vogel hob seinerzeit gemeinsam mit Aufderheide den Schaugarten aus der Taufe.

Alle erwähnten Pflanzen sind natürlich nur eine kleine Auswahl, aber die schwarze Königskerze gibt ein gutes Anschauungsobjekt ab. „Es ist für viele Insekten überlebenswichtig, dass sie solche trockenen Staudenteile als Brutplätze und Lebensraum finden“, erläutert Aufderheide und bricht dennoch den oberen Teil der Blüte ab: Sie weiß, dass der Anblick abgestorbener Pflanzenteile für viele Gartenbesitzer ästhetisch gewöhnungsbedürftig ist: „Aber selbst wer nur die trockenen Stängel stehenlässt, tut etwas für die heimische Kerbtier-Fauna: Wildbienen legten ihre Eier im kommenden Jahr dort hinein.“

Trockene Staudenstängel oder Totholz stehen lassen und einheimische Wildpflanzen pflanzen – mit diesen beiden einfachen Maßnahmen könne man bereits einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung der heimischen Insektenwelt leisten, so die naturnahen Gärtner. „Dort hinten haben wir zum Beispiel eine heimische Wildrose gepflanzt, die
zirka 103 Insektenarten ein Zuhause bietet“, erzählt Aufderheide und weist auf ein wahres Blütenmeer im hinteren Bereich des Schaugartens. Bei Zuchtrosen sei das nur ein Bruchteil.

„Auch die sogenannten Insektenhotels, die sich mittlerweile in vielen Gärten finden, eignen sich übrigens für den Balkon und die Terrasse“, so Chmela. „Sie bieten allerdings nur dann echten Nutzen, wenn es in der Umgebung genug Wildpflanzen gibt.“

Tipps für naturnahes Gärtnern

Die Biostation Bonn/Rhein-Erft pflegt Feucht- und Streuobstwiesen, betreibt ökologische Grünflächenpflege, führt Exkursionen und Vorträge durch und berät Landwirte oder auch Hobbygärtner. Und für die halten die Naturschutzexperten sogar eine eigene Saatmischung vor, die man für eine geringe Kostenbeteiligung vor Ort Auf dem Dransdorfer Berg 76 in 53121 Bonn oder per Mail an c.chmela@biostation-bonn.de erhalten kann.

Der Schaugarten in Wachtberg Pech liegt direkt hinter dem Rathaus und ist rund um die Uhr für interessierte geöffnet. Das Projekt wird von der Nordrhein-Westfälischen Stiftung für Umwelt und Entwicklung gefördert; auf zirka 500 Quadratmetern kann man Elemente naturnaher Gärten wie über 50 Wildgehölz- und 100 Wildstaudenarten, eine Blumenwiese sowie einen Blumenrasen begutachten. Unter dem Netzauftritt www.wachtberg.de findet man zahlreiche weitere Informationen und einen Flyer mit wertvollen Tipps zum Download.

Bildrechte:
Beitragsbild © L. Kubik

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