80 Stolpersteine als Erinnerung an Bonner Holocaustopfer

80 Stolpersteine als Erinnerung an Bonner Holocaustopfer

Von der Initiative Fremdenhass Beuel wird auf die unscheinbaren Blöcke im Pflaster aufmerksam gemacht und bei den Stolpersteinen an die Naziverbrechen erinnert.

Es gibt 80 Stolpersteine in Beuel. Über diese stolpert eigentlich niemand, da sie ganz unscheinbar in den Bürgersteigen eingelassen sind. Man erfährt durch die Stolpersteine nur den Namen, das Jahr der Deportation und manchmal noch den Todesort. Von der Initiative gegen Fremdenhass Beuel werden deshalb ihre Geschichten erzählt.

Getroffen wird sich deshalb am Synagogenplatz an der Ecke Siegfried-Leopold- und Friedrich-Friesen-Straße. Susanne Rohde und Etta Fennekohl von der „Initiative gegen Fremdenhass Beuel“ begrüßen die Teilnehmer vor dem Mahnmal aus Steinen der in der Reichspogromnacht niedergebrannten Synagoge.

Es ist eine vielfältig zusammengestellte Gruppe, die zu Beginn vor allem das Schicksal der Opfer interessiert. Es gebe eine Dokumentation, dass es damals Beuler Bürger, keine Nationalsozialisten gewesen seien, die die Synagoge abgebrannt hätten, so Fennekohl. Eine Teilnehmerin führt an, dass sie einige Täter sogar mit Namen kennt. Aber nicht die Opfer.

80 Stolpersteine

Drei sind für Opfer politischer Verfolgung, die restlichen 77 für Opfer jüdischer Verfolgung. Die Stolpersteine seien am letzten frei gewählten Wohnort eingelassen, so Rohde. Zu den Stolpersteinen nennt sie die Namen, das Alter zum Todeszeitpunkt, Berufe, nennt Spitznamen oder erzählt eine Anekdote aus dem Leben der Opfer.

Das jüngste Opfer der Judenverfolgung in Beuel sei Ruth Kaufmann, genannt „Fanny“, gewesen, so Rohde. Sie wurde mit gerade einmal vier Jahren in Sobibór im heutigen Polen ermordet. Der Stolperstein von Fanny liegt neben denen ihrer Eltern Ludwig und Erna und dem ihres Onkels Carl an der Ecke Friedrich-Breuer-Straße und Gottfried-Claren-Straße.

Fennekohl sagt, „Wir können die Menschen nicht wieder lebendig machen“. Aus dem Leben der Opfer zu erzählen sei jedoch wichtig, sagt Rohde. Diese Menschen seien keine verhärmten Opfer gewesen. Sie haben vor Lebensfreude gestrotzt, man habe sie mitten aus dem Leben gerissen“, so Rohde. Wie viel man ihnen genommen habe, zeigten die Geschichten aus dem Leben der Opfer.

Die Zahl der Opfer sei so groß, dass man das Leid in so großem Rahmen gar nicht begreifen könne. „Wir möchten den Menschen über die persönlichen Geschichten einen Zugang zu den Opfern ermöglichen.“ Zu den Stolpersteinen gibt es aus dem Grund auch ein kleines Buch, in dem die Geschichten der Menschen gesammelt sind. Erhältlich ist das Buch kostenlos bei Bücher Bartz in Beuel.

Vielfältige Erinnerungskultur
Auf den Vortrag ist eine junge Teilnehmerin durch die Familiengeschichte gestoßen. Sie beschäftige sich seit einigen Jahren mit der Geschichte und nehme an verschiedenen Formen von Gedenkveranstaltungen teil.

Für sie seien die Stolpersteine in der vielfältigen Erinnerungskultur inbegriffen. Ibo Ohlendorf sieht den Wert darin, dass die Stolpersteine Erinnerung durch Aktion schaffen. Die 76- Jährige sagt, dass sie es sehr schön finde, dass die Menschen die Steine putzen und sie erstrahlen lassen. Deshalb gerieten die Steine nie aus dem Fokus der Öffentlichkeit und in das Bewusstsein der Leute.

Die Steine würden in der jüdischen Gemeinde unterschiedliche Gefühle auslösen, so Rohde: „Manche Familien möchten nicht, dass ihren Verwandten mit einem Stein bedacht wird.“ An ein Gespräch mit Zeitzeugin Margot Barnard könne sie sich auch erinnern, die nach der Eröffnung der Ausstellung „Erinnerungsorte in Beuel“ 2006 doch den Entschluss fasste, ihren Eltern, dem Ehepaar Kober, Stolpersteine zu widmen. Diese habe damals gesagt, dass sie nun gesehen habe, dass auch durch diese Steine Erinnerung geschaffen werde, so Rohde.

Foto Stolpersteine Bonn © pixabay / hans

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